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14
Juli 2020

Das Ritual in der Musiktherapie

Musiktherapeutisches Arbeiten mit alten Menschen gliedert sich oft in die Strukturen eines Pflegeheimes ein. Das methodische Entwickeln, Anbieten und Aktualisieren von bewohnerbezogenen Tages- und Wochenstrukturen geben den Bewohnern ein Gefühl der Sicherheit, Verlässlichkeit und geben Halt im Alltag. Insbesondere bei Menschen mit Demenz können gut abgestimmte Tages- und Wochenstrukturen dem Krankheitsverlauf konstruktiv entgegenwirken, Ressourcen wie zeitliche und räumliche Orientierung im Haus werden gefördert und können so länger erhalten bleiben.

 

Auch die Musiktherapie gliedert sich in dieses interdisziplinäre Arbeiten ein. Einzel- und Gruppentherapien finden zu festgelegten Zeiten im Wochenablauf in Abstimmung zu den Abläufen von Pflege und Sozialdienst statt und Einzeltherapietermine können individuell mit Rücksicht auf die strukturellen Bedürfnisse der Bewohner organisiert werden.

 

Innerhalb der Musiktherapie wird dieser strukturierende Gedanke weiter getragen und in Form von kleinen, immer wiederkehrenden Ritualen in die therapeutische Arbeit mit eingebunden. Dies können zum Beispiel bestimmte Lieder zu Beginn und zum Ende einer jeden Therapiestunde sein, zum anderen ist es möglich, immer wiederkehrende Gesten, wie ein bestimmtes Begrüßen als festen Bestandteil in das Therapiegeschehen mit einfließen zu lassen.

 

Im Vordergrund steht bei diesem Gedanken stets die rituelle Wiederholbarkeit, welche den Bewohnern im Therapiegeschehen, wie im Alltag strukturellen Halt gibt und somit im Verlauf immer wieder Ankerpunkte angeboten werden. Diese können so für Ruhe und Stabilität sorgen, auch wenn der Alltag mal von einem Gefühl der Verunsicherung durchzogen ist.

 

Das Lied zu Beginn einer Therapiestunde

 

Gruppentherapien nehmen innerhalb der Tages- und Wochenstruktur einen festen Platz ein. Hier wirkt ein festes Lied zu Beginn jeder Stunde mit einen Wiedererkennungswert und kündigt so das zum Teil bekannte Geschehen an. Bei offenen Angeboten kann das Lied zu Beginn auch wie ein Signal wirken, das im Wohnbereich hörbar wird und z.B. Bewohnern anbietet, sich zur Gruppe dazu zu setzen.

 

Das Begrüßungslied

 

Auch das Begrüßen der Runde zu Beginn einer Gruppentherapie kann mit einem Lied geschehen. Hier bieten sich kurze Melodiephrasen an, in welche der Name des jeweiligen Bewohners eingebettet wird und welche nach wenigen Wiederholungen von der Gruppe aufgegriffen werden kann. So kann es reihum gehen, bis jeder begrüßt wurde.

 

Das Aktivitätenlied

 

Auch gibt es wiederkehrende Aktivitäten oder Inhalte einer Gruppentherapie, wie das Umherwerfen eines Balls, das rhythmische Stampfen mit den Füßen oder das Walzertanzen bestimmter tanzbegeisterter Bewohner. Auch hier entwickeln sich mit der Zeit feste Lieder, welche im Erleben der Gruppe dann eng mit der aufkommenden Aktivität verknüpft sind. So entstehen wiederum Wiedererkennungswerte auf verschiedenen Wahrnehmungsebenen und die Gruppe hat inhaltlich gute Ankerpunkte, um am Geschehen bleiben zu können.

 

Das bewohnerbezogene Lied

 

Oft kommt es vor, dass einzelne Bewohner ein oder mehrere Lieder besonders gern singen, ein persönliches Erlebnis damit verbinden oder sich mit diesem Lied gern in die Gruppe einbringen. Hier kann das bewohnerbezogene Aufgreifen von Liedern ebenfalls rituellen Wiedererkennungswert bekommen. Zum einen kann sich so der Bewohner, den das Lied anspricht, wahr- und ernstgenommen fühlen. Zum anderen kann dies ein Identitätsgefühl in Verbindung mit der aktuellen Situation und der Biografie fördern.

 

Das Lied zum Ende einer Therapiestunde

 

Auch das Ende einer Gruppentherapie kann gut durch ein oder zwei feste Schlusslieder markiert werden. Dies schafft mit vergleichbarem Signalcharakter einen Übergang zurück in das Alltagsgeschehen, kann anknüpfen an die nächste Aktivität oder leitet über in eine Phase des Nachklingens und -lauschens. Hier bieten sich natürlich inhaltlich Lieder mit entsprechendem Verabschiedungscharakter an.

 

In Summe kann gesagt werden, dass innerhalb des musiktherapeutischen Arbeitens mit Menschen mit Demenz der Einsatz von Musik in strukturbezogener, ritueller Form einen wertvollen Beitrag leisten kann im Hinblick auf Unterstützung der Stabilität im Alltag, dem Erhalt von Ressourcen und der Unterstützung der Regulationsfähigkeit im Gruppengeschehen.