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03
Juli 2019

Freiheit und Demenz - Richterin referiert zu freiheitsentziehenden Maßnahmen

"Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren." Als Benjamin Franklin im 18. Jahrhundert von Freiheit sprach, konnte er vielleicht schon ahnen, wie wahr diese Aussage ist - insbesondere im Hinblick auf körpernahe freiheitsentziehende Maßnahmen

Etwa 20 Gäste entschieden sich am Dienstag trotz schwülen Wetters für den Vortrag der Betreuungsrichterin Adelinde Gessert-Pohle zum Thema "Freiheitsentziehende Maßnahmen aus rechtlicher Sicht".

Seit 1997 am Amtsgericht Wolfratshausen tätig ist sie in erster Linie für Betreuungsangelegenheiten zuständig - somit auch für die richterlichen Beschlüsse, z.B. zur geschlossenen Unterbringung hier im Hause oder etwa körpernahe Fixierungen. Diese kommen nach ihrer Aussage jedoch im gesamten Landkreis in Heimen "so gut wie gar nicht mehr" vor. Dass es diese überhaupt gab, war dem Sicherheitsbedürfnis von Angehörigen und Heimbetreibern geschuldet.

Längst haben wir hier im Hause Maßnahmen zur Vermeidung des Freiheitsentzugs getroffen - mit Ausnahme der geschlossenen Unterbringung natürlich. Ethische Fallbesprechungen, unser Ethikkomitee mit externen Mitgliedern und die erfolgreiche Umsetzung des sog. Werdenfelsers Weges stellen sicher, dass stets andere Möglichkeiten gefunden werden können, bzw. auch dem ganz natürlichem Lebensrisiko Raum gegeben wird - wie etwa einen möglichen Sturz in Kauf zu nehmen. Es überwiegt in der Regel die momentane Lebensqualität im Gegensatz zur sicheren aber würdelosen und quälenden Situation des fixiert Seins.

Ein schönes Zitat aus dem insgesamt sehr informativen und spannenden Vortrags zum Verfahrensrecht: "Es gibt wenig so unfreiwilliges wie die freiwillige Gerichtsbarkeit."

Das muss auch eine Richterin nicht verstehen. Dazu fällt mir Rilke ein: Du musst das Leben nicht verstehen, dann wird es werden wie ein Fest....