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29
Januar 2019

"Rubbel etwas fester, Schwester" - Gewalt in der Pflege hat viele Gesichter

Interview des Bayerischen Rundfunks im AWO Demenz Zentrum zum Thema Gewalt gegenüber Pflegenden - und was ein gutes Konzept für alle Beteiligten leisten kann

Bedürfnisse wahrnehmen, Aufgaben finden, einbeziehen, ernst nehmen...

Ein brisantes Thema, mit dem sich Bayern 2 da beschäftigt: Gewalt gegenüber Pflegenden. Wir sind tatsächlich das einzige Heim, das sich zu einem Interview bereit erklärt hat. In einem zweistündigen Gespräch beleuchteten wir die vielen Dimensionen der Gewalt, die in jeder stationären Einrichtung vorkommen, die oft nicht zu vermeiden sind: Körperliche Gewalt wie etwa ein plötzliches Zuschlagen z.B. aufgrund von Wahnvorstellungen, sexualisierte Gewalt in verbaler und physischer Form z.B. in Situationen der Intimpflege, aber auch übergriffiges Verhalten wie Fremdbestimmung durch Angehörige wie etwa der unbedingte Wunsch nach Mobilisierung oder Fixierung gegenüber dem Bewohner. Auch das Ignorieren des Willens des Bewohners ist eine Form von Gewalt.

Letztlich kann man viele Gewaltausbrüche von Bewohnern als Spiegel des eigenen Verhaltens deuten. War ich zu schnell? Habe ich dem anderen meinen eigenen Willen aufgezwungen - wenn auch in bester Absicht? Doch wird man Pflegenden nicht gerecht, die alle Regeln der Kunst beherrschen, um eskalierende Situationen zu vermeiden. Denn mitunter entsteht Gewalt aufgrund eines Krankheitsbildes, kann Ausdruck von nicht erkannten Schmerzen sein oder Ursache eines nicht erfüllten sexuellen Bedürfnisses. Menschen mit Demenz sind nunmal nicht mehr in der Lage, Bedürnisse zurückzustellen oder auszublenden.

Die Lösung für die Mitarbeiter*innen liegt im Wissen über die Krankheit, in einem Konzept, das die hier lebenden Menschen in ihrer eigenen Realität ernst nimmt und sie möglichst wenig Einschränkungen im natürlichen Willen erfahren lässt,  im vertrauenvollen Team, in geschlechtsrespektierender Pflege, in ethischen Fallbesprechungen und einem verständnisvollen Leitungsteam, das offen für Bedürfnisse von Mitarbeitern ist.

Das Interview wird voraussichtlich Mitte März über den Radiosender Bayern 2 ausgestrahlt. Der genaue Termin ist noch nicht bekannt.