Vorausplanung der medizinischen Behandlung von Menschen mit Demenz

Das internationale Konzept des Advance Care Planning (ACP), das in vielen Ländern längst Fuß gefasst hat und hierzulande gerade am Entstehen ist, stellt nicht nur die Patientenautonomie in den Fokus und vermeidet ungewollte Behandlung, es bietet Angehörigen auch eine große Entlastung hinsichtlich der Verantwortung über die Behandlungsentscheidungen. Medizinern bietet es zudem eine weitgehende Handlungssicherheit, da die Gesprächsstruktur und Dokumentation der Planung eine gute Umsetzung des Willens verspricht.

In Deutschland ist das Konzept auch unter dem Namen Behandlung im Voraus planen (BVP) bekannt. Jeder gesetzlich versicherte Bewohner einer stationären Altenhilfeeinrichtung oder einer Einrichtung der Eingliederungshilfe hat einen Anspruch auf die Vorsorgeplanung, die durch den § 132g SGB geregelt und durch die Krankenkassen finanziert wird.

Unser Angebot für Sie als Bevollmächtigte*r oder Betreuer*in:

In vertrauter Atmosphäre haben Sie die Möglichkeit mit einer qualifizierten Gesprächsbegleiterin die medizinische Behandlung, die für den Bewohner, die Bewohnerin eventuell einmal nötig sein könnte, zu planen. Das Ziel des Planungsgesprächs ist, den mutmaßlichen Willen zu ermitteln und daraufhin festzulegen, welche Behandlung sich der oder die Betroffene in einer Krise wünschen würde, bzw. welche lebensverlängernde Behandlung nicht mehr erfolgen soll.

Ihre Ansprechpartnerin:

Gabi Strauhal

Tel.: 08171-432590     

gabriele.strauhal@sz-wor.awo-obb.de 

Nähre Informationen zur Vorsorgeplanung:                                                           

In mehrzeitigen Gesprächsprozessen wird mit einem zertifizierten Gesprächsbegleiter eine vollumfängliche Vorausplanung (zu verstehen wie eine sehr umfangreichen Patientenverfügung) für unterschiedliche mögliche Szenarien nach dem informed consent Prinzip entwickelt. Sehr individuell wird also abgewogen, welche Entscheidung für oder gegen eine Behandlung welches Risiko birgt, bzw. welche Chancen unter Umständen auch verschenkt werden. Die Säule des BVP stellt ein erstes Gespräch zu den ganz persönlichen Einstellungen zu Leben, Krankheit und Sterben dar. Hier geht es um Lebensqualität, um Werte, Ängste, Sorgen und auch um rote Linien, die man nicht überschreiten möchte, Zustände, die man wenn möglich für sich ausschließen möchte. Darauf aufbauend können dann die medizinischen Behandlungswünsche für den akuten Notfall, für eine Einwilligungsunfähigkeit unklarer Dauer sowie eine dauerhafte Einwilligungsunfähigkeit, wie etwa in der Demenz, getroffen werden.

Ein wesentlicher Baustein des BVP ist neben der Einbindung der Angehörigen und des Hausarztes auch die Implementierung in der Region. Notfallmediziner, Sanitäter, Hospizdienste und Kliniken sollten mit dem Konzept vertraut sein, um es dann auch umsetzen zu können.

Vorsorgeplanung für Dritte – die Vertreterdokumentation für Menschen, die bereits einwilligungsunfähig sind

Eine Besonderheit im BVP stellt zweifellos die Vertreterdokumentation dar.  Diese gibt Bevollmächtigten oder Betreuern die Möglichkeit, für ihre Vollmachtgeber oder Betreuten in deren Sinne eine medizinische Behandlung im Voraus zu planen.

Aus ethischer Sicht mag und sollte dies erst mal zu denken geben. Wie kann da das Prinzip der Autonomie noch gewahrt bleiben? Wie steht es um die Gerechtigkeit, wenn andere sich anmaßen, über meine Behandlungswünsche zu verfügen? Doch auch die Vertreterdokumentation setzt genau da an: Es gilt den mutmaßlichen Willen systematisch  zu erkunden, früher getroffene Aussagen zu reflektieren und in Bezug zum aktuellen natürlichen Willen zu setzen. Je größer das hieran beteiligte Netzwerk aller am Pflege- und Betreuungsprozess Beteiligten ist, desto valider wird die Dokumentation und gleichzeitig entlastet der Gesprächsprozess den Bevollmächtigten. Diese Gesprächsbegleitungen sind eine besondere Herausforderung und sicherlich führen sie nicht in jedem Fall zu einer vollumfänglichen Vorausplanung – wie es übrigens auch bei der Patientenverfügung der Fall sein kann. Die eigenen Behandlungswünsche zu finden ist schon schwierig – diese für einen Dritten zu ermitteln kann unter Umständen auch nur begrenzt möglich sein.

Was letztlich zählt ist das Machbare: Alle Erkenntnisse zu sammeln, die über den mutmaßlichen Willen bekannt sind und Ausschluss geben können - über die Entscheidungen, die derjenige nun treffen würde, wenn er es jetzt noch könnte.

Bei allen Abwägungen über die Sinnhaftigkeit der Vertreterdokumentation sollte ein Gedanke vorherrschen: Hat man sie nicht, muss der Bevollmächtigte trotzdem über die medizinische Behandlung im Sinne des Betroffenen entscheiden – aber dies möglicherweise in einer akuten Stresssituation, emotional betroffen, ohne Zeit für Absprache mit anderen Beteiligten oder Erinnerungen an frühere Aussagen.